Kopernikusschule

Das Tagebuch der Anne Frank

Am 26. Januar, nur einen Tag vor dem 67. Jahrestag der Befreiung des Konzentationslagers Auschwitz, erlebten die Schüler der 9. und 10. Klassen begleitet von ihren Geschichts- und Deutschlehrern ein Stück Zeitgeschichte, das niemals vergessen werden sollte. Die einleitenden Hinweise zu dem Theaterstück „Das Tagebuch der Anne Frank“ auf aktuelle Parallelen in weltpolitische Krisenherde wie etwa Afghanistan machten allen deutlich, dass „das scheinbar Vergangene noch längst nicht vergangen ist“.

Eindrucksvoll veranschaulichte das Ensemble des Forum-Theaters Wien, ein Tourneetheater für Schulen in Deutschland und Österreich, das Schicksal des deutschen jüdischen Mädchens Anne Frank, das mit seinen Eltern 1934 in die Niederlande flüchtete, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Nachdem die deutsche Wehrmacht 1940 die Niederlande besetzte und 1942 verschärfte Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung ergriffen wurden, versuchte sich Annes Familie ein weiteres Mal dem Zugriff der Nationalsozialisten zu entziehen und versteckte sich gemeinsam mit einigen Freunden in einem Amsterdamer Hinterhaus, bis sie 1944 verraten und deportiert wurde. Bis zu ihrer Deportation zeichnete Anne alle ihre Gedanken und Gefühle in einem Tagebuch auf, das sie zu ihrem 13. Geburtstag erhielt und nach dem Krieg von ihrem Vater Otto Frank veröffentlicht wurde.
Mit nur wenig Requisiten und Kulisse im Hintergrund hielt sich das Stück eng an Annes Aufzeichnungen. Der Kreis der beteiligten Personen war in der dargebotenen Fassung auf die wichtigsten reduziert: Tochter, Mutter und Vater Frank sowie Peter van Daan.
Anne Frank trat – für viele Zuschauer angesichts der ausweglosen Situation erstaunlich – lebensfroh auf, hielt weder mit ihren Träumen noch Sehnsüchten zurück und war sich doch ihrer Lage sehr klar: Immer wieder wurde durch den Lärm der Lautsprecher die Realität von außen in das Hinterzimmer eingeblendet: Sirenen, Fliegeralarm, Marschkolonnen.
Nachrichten über den Fortgang des Krieges, aber auch Informationen über Massenerschießungen und Vernichtungslager drangen zu den Eingeschlossenen, erzeugten Hoffnung und Verzweiflung im stetigen Wechsel. Zum Schluss: Blankes Entsetzen, als die Deutschen sich Einlass in das Hinterhaus verschafften.
Als bei dem abrupten Ende des Stückes, alle Schauspieler nacheinander vortraten und die Todesnachricht für Anne, die Mutter Edith und Peter van Daan vortrugen, als der Vater, als einziger Überlebender des Holocaust die Originalfotos der Verstorbenen auf den Tisch stellte, konnte man im Saal eine Stecknadel fallen hören.
Die Nachbesprechung in den einzelnen Klassen zeigte deutlich, das der Wunsch Annes und das Anliegen des Wiener Theaters, dass ein menschliches Schicksal anderen Menschen „Nutzen bringen und nicht umsonst gewesen sein solle“ in Erfüllung gegangen ist. Voller Engagement diskutierten die Schüler das Erlebte und spürten der Beantwortung von entstandenen Fragen nach.