Kopernikusschule

Sportlich mit Rollstuhl

Schüler lernen Alltag eines Rollstuhlfahers kennen

In einer Unterrichtsstunde mit den "rollikids" lernten die Schüler der Kopernikusschule den Alltag eines Rollstuhlfahrers und den Umgang mit dem Rollstuhl kennen.

Porz (sf). Als die Siebtklässler der Kopernikusschule im vergangenen Schuljahr das Kinderbuch "Die Vorstadtkrokodile" gelesen hatten, hatten sie den Wunsch, sich selbst einmal in die Rolle des Hauptdarstellers versetzen zu können.

Sie waren von der Geschichte einer Freundschaft zwischen einer Jugendbande und einem Jungen, der im Rollstuhl sitzt, so sehr berührt, dass sie selbst neugierig wurden, wie das Leben aus der Perspektive eines Rollstuhlfahrers aussieht und wie dieser mit seinem Alltag zurechtkommt. Marianne Montree-Mancuso, Klassenlehrerin der 7a, hatte daraufhin die Initiative ergriffen und "rollikids", einen Fachbereich des Kinder- und Jugendsports des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes, in die Schule eingeladen. Dieser ermöglicht es den Schülern, das Rollstuhlfahren unter fachkundiger Anleitung selbst auszuprobieren mit dem Ziel des Abbaus von Vorurteilen und dem Aufbau eines gegenseitigen Verständnisses.

"Wir bieten das an, damit die Schüler die Erfahrung machen können, wie es ist im Rollstuhl zu sitzen", sagt Jens Mertens. Der 32-Jährige sitzt seit seinem neunten Lebensjahr im Rollstuhl: "Ich kenne nichts anderes." Den Schülern möchte er alle Fragen beantworten, die diese zur Bewältigung seines Alltags haben. "Viele sehen Rollstuhlfahrer und haben dabei viele Fragen im Kopf, wie dieser wohl im Alltag zurechtkommt", meint Mertens. Zunächst aber waren die Schüler selbst gefordert: Mit den von den "rollikids" mitgebrachten Rollstühlen bildeten sie einen Kreis und ließen sich von Eva Lissek die Fahrtechnik erklären. Nachdem die Schüler Grundlegendes wie Vor- und Zurückfahren und Bremsen gelernt hatten, testeten sie ihre Fahrtechnik bei verschiedenen Fangspielen. Auch das Drehen und Wenden lernten die Schüler schnell und hatten sichtlich viel Spaß dabei.

Beim Fahren auf eine Matte erfuhren sie aber auch, wie schwierig es für Rollstuhlfahrer im Alltag ist, auf Bordsteine hochzufahren. Später lernten sie noch weitere Tücken des Alltags kennen und merkten nach und nach, welchen Herausforderungen sich Rollstuhlfahrer stellen müssen. Im zweiten Teil der Unterrichtsstunde löste Jens Mertens sein Versprechen ein und erzählte von seinem Leben im Rollstuhl. Dabei erfuhren die Schüler, dass Mertens auch sehr viel Sport betreibt. Früher spielte er Basketball, ehe er zum Elektrorollstuhlhockey überwechselte. "Jetzt probiere ich gerade Rollstuhlrugby aus", berichtete Mertens und hinterließ großen Eindruck.

Text: Flick/Kölner Wochenspiegel (08.07.2016)